Bei diesem PR-Coup eines in Ostdeutschland residierenden Kollegen schien es wohl selbst BILD angebracht, gleich mit den ersten beiden Worten der nachfolgenden Meldung den ersten Gedanken jedes Lesers offensiv auszusprechen:
“Völlig gaga oder genial? Jens Lorek (41) ist Deutschlands erster Spezialanwalt für Menschen, die behaupten, von Aliens entführt worden zu sein. Der Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht aus Dresden meint es ernst: „Es existiert offensichtlich Bedarf für juristische Tätigkeit auf diesem Gebiet. Seit 1961 geben weltweit Zehntausende an, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Viele leiden auch Jahrzehnte später noch.“”
Ich persönlich halte den Kollegen eher für genial. Nicht nur wegen des gekonnten Understatements bei der Büro-Technik. Visionen von übermorgen mit den Mitteln von vorgestern…
Nein, im Ernst: Auf so was muß man erstmal kommen. Das Opferentschädigungsgesetz als Anspruchsgrundlage für Alien-Geschädigte. Man würde ja spontan als einschlägige Rechtsgrundlage eher auf das Unterbringungsrecht tippen…
Der Nachweis, daß die gesundheitliche Schädigung der außerirdisch heimgesuchten Person auf einem vorsätzlichen rechtswidrigen Angriff beruht, dürfte allerdings praktisch schwer zu führen sein:
Nicht nur wegen des Kausalitätsproblems zwischen dem möglicherweise tatsächlich vorliegenden Dachschaden und dem diesbezüglich verantwortlichen Tätigwerden Außerirdischer. Sondern auch deswegen, weil ein tatbestandlicher Angriff i.S.d. geltenden deutschen Gesetze stets eine andere Person als Angreifer voraussetzt - also einen Menschen. Da wird’s dann beim Alien schwierig. Und ob sich hier im Wege der Rechtsfortbildung eine Analogie durchsetzen wird, halte ich für wenig wahrscheinlich.
Außerdem verlangt das Gesetz, daß der Angriff in seinem Geltungsbereich stattgefunden hat - oder zumindest auf einem deutschen Schiff oder Luftfahrzeug.
Fiese Mißhandlungen an Bord von Raumschiffen Außerirdischer oder auf fremden Planeten scheiden damit leider aus. Es bliebe als Anknüpfungstatsache für eine Schädigung allenfalls die Entführung als solche. Aber da stellt sich ja dann das o.a. Problem mit dem Angreifer…
Vielleicht läßt sich der Gedanke aber ja auch noch etwas weiter ausbauen. Und es findet sich z.B. noch ein US-Kollege, der als Opferanwalt mit ins Boot steigt. Für eine millionenschwere Sammelklage gegen die NASA z.B. Weil die mit ihren Flügen ins All die Übergriffe der Außerirdischen erst provoziert hat. Oder aus irgendeinem anderen Grund. Irgendetwas wird sich doch finden lassen.
Und “BILD” wird auch darüber sicher mit gewohnter journalistischer Akribie berichten…
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