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Archiv für Dezember, 2006

Business as usual: Abmahnung zwecklos?

Da hat ein in Abmahnungsfragen anscheinend sehr routinierter Onlinehändler an seinem Impressum geschraubt.

Das sehe ich mir heute morgen nur deshalb mal näher an, weil ich mal wieder eine höchst unwillkommene Werbebotschaft in meinem elektronischen Müllsammler vorgefunden habe, deren Absender sich hierzulande lokalisieren läßt.

Formulierungen wie diese hier gehören ja mittlerweile zum Standardsortiment jedes forengestählten Fernabsetzers:

“Die Kostennote einer anwaltlichen Abmahnung ohne vorhergehende Kontaktaufnahme wird im Sinne der Schadensminderungspflicht als unbegründet zurückgewiesen.”

Aber diese Passage liest man denn doch nicht so häufig - zumal gleich im Impressum:

“Auf Anfrage geben wir per Email Auskunft über abgegebene Unterlassungserklärungen, bitte wenden Sie sich hierzu unter Angabe des berechtigten Interesses an abc@xyz.com.”

Dumm. Dreist. Beides. Aber schon Goethe wußte (sinngemäß zitiert): “Die ganz Gescheiten und die ganz Dummen sind kein Problem. Gefährlich sind die Halbgebildeten!”

Aber wegen Spam abmahnen wird man den Laden wohl wenigstens noch dürfen…

Borat doch schon auf DVD?

Peter Mühlbauer rätselt bei TELEPOLIS , woher der Anwalt Michael Witti die Kopie des Films “Borat” herhatte, mit deren Hilfe er und sein Kollege Ed Fagan u.a. die Filmfirma 20th Century Fox jüngst verklagten:

“Da der Film noch nicht auf DVD erschienen ist, fragt sich, wo Michael Witti diese CD herbekommen hat. Hat ihm etwa 20th Century Fox eine Kopie zur Verfügung gestellt, damit er die Klage gegen sie leichter einleiten kann? [...]. Oder hat Witti eine von der Filmfirma an einen Dritten ausgehändigte Vorabfassung weitergereicht bekommen?”

So, so - ein böser Raubkopierer?

“Geht man von der Definition der Bundesjustizministerin für illegale Kopien nach der letzten Urheberrechtsänderung aus, so muss Michael Witti bangen, dass Brigitte Zypries keine Zeitung liest. Denn auch wenn er über einen Mittelsmann eine direkt von Fox hergestellte CD erworben hat, so müsste sie ihm nach der 2003 eingeführten Verbotsregelung als von einer “offensichtlich rechtswidrig hergestellten Vorlage” gezogene Kopie gelten.

Denn die Justizministerin nannte bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich den noch nicht auf DVD erschienenen Kinofilm als Paradebeispiel solch einer illegalen Kopie: Wenn wenige Tage nach dem Kinostart ein aktueller Kinofilm angeboten würde, so Zypries, dann müsse jedem klar sein, dass es sich hierbei um ein “illegales Angebot” handele [...].”

Na ja. So ganz sauber ist die juristische Subsumtion hier zwar nicht gelungen. Aber dennoch: Wie ungezogen! So etwas über einem honorigen Kollegen, der selbstlos und unter Zurückstellung persönlicher Interessen mutig für die Belange Unterprivilegierter eintritt…

Nicht nur zur Winterszeit: Der Wahnsinn hat immer Saison…

Sowas kommt von sowas. Wußte schon vor Dekaden Gabriele Susanne Kerner aka Nena zu trällern.

SPIEGEL ONLINE berichtet von den drastischen Maßnahmen einer us-amerikanischen Mutter gegen ihren eigenen Sohn:

“Sie war es leid und griff hart durch: Weil ihr Sohn schon jetzt mit einem seiner Weihnachtsgeschenke gespielt hat, ließ eine Mutter im US-Bundesstaat South Carolina den Sprössling verhaften. Die Ordnungshüter rückten umgehend an und transportierten den Zwölfjährigen in Handschellen ab. [...].

Im vorigen Jahr, berichtete die Frau, sei bei ihrem Sohn Hyperaktivität und ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostiziert worden. Die Medikamente hätten bislang nicht geholfen.”

Sowas kann natürlich passieren, wenn man keine Supernanny zur Hand hat.

Im Ernst: Vielleicht behandelt besser endlich mal jemand die Mutter bzw. die Eltern!

Kindliches Verhalten entsteht grundsätzlich als Reaktion bzw. Antwort auf die Lebensumstände des Kindes. Es mag für die Eltern einfacher sein, wenn man einer wohlklingenden Krankheit die Schuld für auffälliges (vielfach auch nur unerwünschtes!) Verhalten seines Sprößlings geben kann.

Nur eines sollte man nicht erwarten: Daß man sowas durch Verabreichen von Pillen kurieren kann. Die beim Kind zutagetretenden Symtome familärer Probleme und erzieherischer Defizite lassen sich durch das medikamentöse Ruhigstellen möglicherweise abmildern.
Aber die Ursachen müßten sicherlich (wo)anders bekämpft werden.

Weil sowas von sowas kommt…